Kinder im Netz – Smartphone, Chat, WhatsApp, soziale Medien; facebook, Google & Co.

von Ulf Schleth

Viele Eltern schenken ihren Kindern ein Smartphone, um Ihnen etwas gutes zu tun ... (Foto: Ulf Schleth)

Viele Eltern schenken ihren Kindern ein Smartphone, um Ihnen etwas gutes zu tun … (Foto: Ulf Schleth)

Leon: Ich habe die Gruppe in DieBesten umbenannt
Karl: Hast Du auch Ella mit in die Gruppe genommen?
Leon: Ja. Und Maike auch.
Karl: Ist Ella eigentlich deine beste Freundin?
Leon: Nee, Maike ist meine beste Freundin.
Karl: Ella hat mir aber gesagt, sie wäre deine beste.

Maike ist 8 und die beste Freundin von Ella. Sie sind beide in der WhatsApp-Gruppe von Karl und Leon und können deren Chat lesen. Obwohl dies eine ganz einfache, vergleichsweise harmlose und nicht böse gemeinte Unterhaltung ist, löst sie eine Menge aus: Ella ist beschämt. Sie wußte gar nicht so genau, ob Leon sie als beste Freundin sieht. Sie hat jetzt Angst vor der Reaktion ihrer Freunde, wenn sie von dieser kleinen Wunschlüge erfahren. Gleichzeitig ist sie traurig, auf diese Weise zu erfahren, daß Leon Maike besser findet. Maike geht es schlecht, weil sie sich nicht wohl dabei fühlt, gegen ihre Freundin in Konkurrenz gesetzt worden zu sein, obwohl sie sie viel lieber hat als Leon. Ein unbedacht ausgelöstes Drama, dessen Folgen noch nach Wochen zu spüren sind, eine Freundschaft und viele Tränen kostet.

Immer mehr Kinder verfügen schon in den ersten Schulklassen über ein Handy. Die Vorteile der Handy-Anschaffung liegen für viele Eltern auf der Hand: Handys vereinfachen die Kommunikation und die Organisation des Tagesablaufes. Sollte das Kind früher Schulschluß haben, kann es die Eltern direkt anrufen, wenn diese noch bei der Arbeit sind. Kommt das Kind nach der Schule nicht zum verabredeten Termin nach Hause, können die Eltern es erreichen und ihm mitteilen, daß das Essen kalt wird. Manchmal bekommt das Kind auch einfach ein Handy von der Oma oder vom Onkel geschenkt und seine Eltern mögen ihm nicht die Freude verderben.

Spätestens ab der 4. Klasse wird es auch für Kinder ohne Handy oder mit einem normalen Tastenhandy ernst: Immer mehr der Schulfreunde haben schicke Smartphones – kleine Taschencomputer, mit denen man nicht nur SMS schreiben und telefonieren kann, sondern auch spielen, im Internet surfen, chatten und viele andere Dinge tun kann. Leider sind Kinder, die gerade noch damit beschäftigt sind, das soziale Leben in der realen, physischen Welt zu lernen, auf die Möglichkeiten und Gefahren der Handy-Kommunikation nicht vorbereitet.

Die Studie „Always On – Wie Kinder und Jugendliche Smartphones benutzen“ der Landesanstalt für Medien Nordrheinwestphalen aus dem Oktober 2015 stellt fest, daß bereits 64% der 8- bis 14-Jährigen über ein Smartphone verfügen, mit dem sie auf das Internet zugreifen können. Bei den 13- und 14-jährigen sind es bereits 86%. Die Kinder, denen es die Eltern nicht von sich aus geschenkt haben, wünschen es sich irgendwann. Ein Handy ist auch in der Schule ein Statussymbol und häufig besteht die Angst, ausgeschlossen zu werden, wenn man keines hat.

48,1% dieser Kinder geben an, daß das Handy sie häufig ablenkt, 42,7%, daß sie schonmal unüberlegt private Daten preisgegeben haben, 27,1% haben schonmal Nachrichten von Fremden bekommen, 24% empfinden Kommunikationsstress, 18,6 % haben schon einmal „Happy Slapping“ – Videos (in denen „zum Spaß“ jemand tätlich angegriffen wird) bekommen, 12,8% haben schon einmal intime Videos bekommen und 11,1% sind schon zu Cybermobbing-Opfern geworden. Es ist davon auszugehen, daß keines der Elternteile dieser Kinder sich hätte vorstellen können, daß seinem Kind so etwas passieren könnte. Das Handy streßt nicht nur durch anstrengende soziale und kommunikationsbedingte Konflikte. Das Kind muß daran denken, es mitzunehmen, es anzumachen, es in der Schule auszumachen, hat das Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen, akustische und visuelle Benachrichtigungen fordern die Aufmerksamkeit, es muß möglichst dieselben Apps haben wie seine Freunde, …

Die Gefahren stecken längst nicht nur im Umgang mit dem Gerät. Durch die Apps von Google, Apple, Facebook und vielen anderen Firmen lädt man neben sinnvollen Anwendungen für das Handy zusätzlich ein tiefes Loch in die Privatsphäre des Kindes. Schon lange, bevor ein Kind sich das erste Mal dort registriert, weiß Facebook durch die WhatsApp-Verbindungsdaten (=Metadaten) und die übertragenen Telefonnummern, mit welchen Personen es wann wie lange chattet oder über die App telefoniert. Das heißt, ein amerikanischer Konzern kennt seine Peergroup; sein persönliches Netzwerk und die ihm besonders wertvollen Menschen. Private Daten, die viele nicht einmal nahestehenden Personen verraten würden, geschweige denn dem Staat.

Man vergleiche dagegen die Volkszählungen 1983 und 1987, die wegen Protesten gegen den „gläsernen Bürger“ nicht möglich waren. Heute erlauben wir amerikanischen Konzernen (und damit dann auch wieder staatlichen Stellen) wesentlich mehr Einblick in unsere Privatsphäre und die unserer Kinder, als wir es damals zugelassen haben. Schlimmer: Die Privatsphäre verschwindet und wird zur Illusion. Das aber nicht, weil uns Privatsphäre weniger wichtig ist, als früher. Die Volkserfassung hat sich diesmal nicht selbst und lautstark angekündigt, sondern sie hat unser Leben durch die Hintertür betreten.

Kinder gehen unbefangen und unbedarft mit neuen Technologien um. Sie denken und planen noch nicht weit voraus, ihnen ist nicht klar, daß die Schule, die Praktikumsstelle oder die Firma bei der sie sich bewerben werden, sie googeln werden und Dinge die sie gerade lustig finden, dann vielleicht nicht mehr so lustig sind. Ihnen ist auch nicht klar, daß die Daten, die sie mit ihren vermeintlichen Privatsphäreneinstellungen zu schützen glauben, nicht wirklich geschützt sind. Daß sie Konzernen, Anzeigenkunden, staatlichen Stellen, technikaffinen Mitmenschen und oft auch dem Rest der Öffentlichkeit auf dem einen oder anderen Wege zur Verfügung stehen. Bei Anwendungen wie Snapchat entsteht für Kinder der Eindruck, daß Inhalte nur für kurze Zeit und nur beim Empfänger angezeigt werden können. Ein trügerischer Irrtum.

Spätestens sobald sich Ihr Kind als Jugendliche/r das erste Mal bei facebook anmeldet, können die bereits angesammelten Daten mit allen anderen in Verbindung gebracht werden. Seinem sozialen Status, seiner Hautfarbe, der politischen Meinung seiner Eltern, den Inhalt seiner Nachrichten, selbst aus hochgeladenen Bildern können zahlreiche Informationen über Hobbies und Vorlieben gezogen werden. Facebook darf Ihre Daten und die Ihres Kindes verkaufen, ohne vorher einzeln nachzufragen. Bereits 2014 hat Facebook eine Funktion für seine App eingeführt, die es dem Konzern erlaubt, das Handy-Mikrofon abzuhorchen.

Unternehmen, die kostenlose Leistungen anbieten, leben von den Daten der Menschen, die ihre Dienste in Anspruch nehmen. Ihr Wunsch ist es, möglichst viel über sie zu wissen. Wenn ein solches Unternehmen in seiner Datensammelwut Probleme mit dem Gesetz oder seinen Datenlieferanten bekommt, wird es sein Vorgehen ändern und es später noch einmal versuchen. Alle anderslautenden Absichtserklärungen sind nichts als beruhigende, aber bedeutungslose Worthülsen.

 

Edward Snowden (Foto: Laura Poitras / Praxis Films, Cc-by-3.0)

Edward Snowden (Foto: Laura Poitras / Praxis Films, Cc-by-3.0)

„Ein Kind, das heute geboren wird, wird ohne jegliche Vorstellung von Privatsphäre aufwachsen. Es wird nie wissen, was es bedeutet, einen privaten Augenblick oder einen unaufgezeichneten, nichtanalysierten Gedanken zu haben. Und das ist ein Problem, weil die Privatsphäre wichtig ist. Privatsphäre ist das, was uns erlaubt zu bestimmen, wer wir sind und wer wir sein wollen.“
(Edward Snowden in einer Weihnachtsansprache 2013)

 

Google speichert mit den auf das Smartphone installierten Apps Aufenthaltsorte, Begriffe und Sprachaufzeichnungen von Google-Suchen, Inhalte von Emails, angesehene Youtube-Videos, besuchte Webseiten, angeklickte Werbung, analysiert Bilder, beherrscht Gesichtserkennung und vieles mehr. Das Startup Cogito analysiert Sprachdateien auf psychische Gesundheit, ähnliche Projekte bedienen sich künstlicher „Intelligenz“. Auch zahlreiche andere Webseiten speichern viele Informationen durch von Dienstleistern eingebundene Werbung. In ihrer Summe genügen all diese Daten, eine Persönlichkeit auch in ihren psychologischen Eigenheiten zu durchleuchten. Daß, wie wir seit den Enthüllungen des US-amerikanischen Privacy-Aktivisten Edward Snowden wissen, die amerikanische NSA (und andere) international wahllos und zu einem großen Teil illegal Telefongespräche und andere Daten abhört und speichert und Unbefugte über Apps so gut wie jedes Handy zum wandelnden Überwachungsgerät machen können, muß gar nicht erst in Betracht gezogen werden, um die erschreckende Dimension des freiwilligen Verlusts der Privatsphäre zu zeigen.

Sogar viele Erwachsene begegnen dem mit einem überforderten Achselzucken, da ja „alle es machen“, „sowieso alles gespeichert wird“, ihre Daten gar nicht „interessant genug“ seien, oder sie reden sich ein, sie hätten „nichts zu verbergen“. Inzwischen sehen aber immer mehr Menschen die Folgen, die es mit sich bringt, seine eigene Privatsphäre nicht zu schützen. Der polarisierende amerikanishce Präsident Donald Trump hat die Profildaten von Menschen in einer ganz neuen Größenordnung benutzt, um sie gezielt anzusprechen, und durch Desinformation zu beeinflussen. Bei der Einreise (nicht nur) in die Vereinigten Staaten werden Facebook-Informationen und Handy-PINs abgefragt, Parteien können gezielte Information oder Werbung nach bestimmten Kriterien an verschiedene Menschengruppen verteilen, was Manipulation Tür und Tor öffnet.

Der politische Wind kann sich jederzeit drehen. Es ist immer möglich, daß die Macht an jene geht, die nicht Ihrer Meinung sind. Geht mit dem Wechseln einer Regierung oder der Führung eines Konzerns ein dramatischer Wertewechsel einher, werden persönliche, dort gespeicherten Daten nicht mehr nur überwacht, sondern auch gegen Personen verwendet. Davon sind auch Kinder betroffen. Kriminelle und Hacker, die von Hacker-Ethik noch nichts gehört haben, entführen bereits jetzt private Daten und erpressen die Opfer mit der Androhung einer Veröffentlichung dieser Daten oder richten großen Schaden durch Identitätsdiebstahl an. Das geschieht nicht immer auf Knopfdruck über das Internet. Ein verlorenes oder gestohlenes Handy genügt.

Wann sollte ich meinem Kind ein Smartphone kaufen? Wie kann ich es schützen? Welche Alternativen gibt es?

Im Folgenden einige konkrete Vorschläge. Manche werden Ihnen unrealistisch erscheinen, manche nicht. Haben Sie keine Angst vor der überwältigend und unüberschaubar wirkenden Bedrohung. Mehr für Ihre Sicherheit und Privatsphäre und die ihres Kindes zu tun, ist keine einmalige Angelegenheit. Man kann sich Privatsphäre nicht (zurück-)kaufen wie ein Virenprogramm. Es ist ein Prozess, eine Bewußtwerdung. Jeder kleine Schritte ist besser als keiner.

  • Fangen Sie bei sich selbst an und informieren Sie sich. Informationen gibt es überall, sogar bei facebook. Fördern Sie Ihre Medienkompetenz. Besuchen Sie Kurse zum Thema Datensicherheit. Informieren Sie sich, ob es in der nächsten Großstadt so genannte Crypto-Parties gibt. Dort bekommt man tatkräftige Hilfe beim Entfernen von potentiellen Sicherheitslücken auf dem Smartphone durch Verschlüsselungstechniken.
  • Überlegen Sie genau, wozu und ob Sie das Handy wirklich benötigen. Früher gab es keine Handys. Ein Sinken der Kriminalitätsraten durch Einführung des Handys  wurde bisher nicht nachgewiesen. Ein Anstieg von Online-Betrugsfällen und Datendiebstahl hingegen schon. Ist es ein wirklicher Schutz, Ihre Kinder überall erreichen oder gar orten zu können? Oder gibt es nur Ihnen nur ein besseres Gefühl?
  • Sie sind  ein Vorbild für Ihre Kinder. Beobachten Sie Ihr eigenes Nutzungsverhalten und versuchen Sie sich so zu verhalten, wie Sie es sich für Ihre Kinder wünschen. Verwenden Sie Ihr Smartphone einfach möglichst selten im Beisein der Kinder. Und wenn, dann vorsichtig und bewußt. Benutzen Sie es nur zu bestimmten Zeiten. Richten Sie in der Wohnung eine Handy-Sammelstelle ein, einen Korb oder eine schalldichte Kiste, in den alle Ihre Handys legen, so lange sie nicht verwendet werden. Richten Sie auf Ihrem WLAN-Router Internet-freie Zeiten ein.
  • Sensibilisieren Sie Lehrer und die Schule Ihrer Kinder für das Thema. Es ist schwieriger, allein etwas zu ändern als in der Klassengemeinschaft. Versuchen Sie gemeinsam den Kindern klar zu machen, wie wichtig Privatsphäre ist und wie kostbar auch ganz unwichtig zu seien scheinende persönliche Daten sind. Bis es Medienkompetenz als Schulfach geben wird, werden Sie selbst Zeit investieren müssen. Teilen Sie diesen Text. Regen Sie einen Elternabend zu dem Thema an. Laden Sie gemeinsam einen kompetenten (!) Medienberater ein. Achten Sie darauf, daß dieser Abend nicht dazu dient, das allgemeine Gewissen zu beruhigen, sondern daß regelmäßig geguckt werden muß, was sich bereits geändert hat oder noch ändern sollte.
  • Erlauben Sie Ihrem Kind frühestens zum Schulwechsel nach der Grundschule ein Smartphone – Vorher, wenn es denn überhaupt sein muß, nur ein Tastenhandy. Tun Sie bis dahin Ihr Bestes, die Medienkompetenz Ihres Kindes zu stärken. Ansonsten werden in kürzester Zeit 20 Datenvampire in Form verschiedenster Apps auf dem Handy Ihre Kindes installiert sein, die nach den Daten Ihre kleinen Schatzes gieren.
  • Sollte Ihr Kind bereits ein Smartphone haben, verschlüsseln Sie das Gerät inklusive Speicherkarte nach Möglichkeit. Diese Möglichkeit ist meist schon in die Software des Herstellers eingebaut, es gibt aber auch dafür Alternativen. Die auf dem Handy gespeicherten Daten sind dann sicherer, sollte es abhanden kommen.
  • Versuchen Sie, ihr Kind auch im Bezug auf Online-Kommunikation zu ermutigen, etwas anderes zu tun als alle anderen und es in seinem Selbstbewußtsein zu festigen. Es ist wichtig, im richtigen Moment auch mal gegen den Strom schwimmen zu können und nicht impulsiv alles zu installieren, was die Freunde verwenden. Viele Dinge, die der Privatsphäre schaden, werden aus dem Wunsch nach Anerkennung heraus getan, dem Wunsch dazuzugehören, nichts zu verpassen und nicht allein zu sein. Wir Menschen unterliegen starken sozialen Zwängen. Es ist gut, auch mal Nein sagen zu können, wenn alle anderen Ja sagen.
  • Beginnen Sie, Ihr Kind und sich selbst darauf vorzubereiten, daß es mit Zugriff zum Internet Dinge sehen wird, die nicht für es bestimmt sind. Es ist besser, Ihr Kind auf die Realität vorzubereiten und ihm den Umgang damit beizubringen, als ein traumatisches Erlebnis vorzuprogrammieren, indem Sie es bis zum Tag X  davon fernhalten. Finden Sie den richtigen Mittelweg. Falls Sie unsicher sind, sprechen Sie mit einer Erziehungsberatung.
  • Seien Sie sich im Klaren darüber, daß ein Handy mehr ein Computer ist, als ein Telefon. Es geht in keiner Weise eine geringere Gefahr von mobilen Geräten aus. Im Gegenteil.
  • Machen Sie Ihr Handy und das Ihres Kindes sicher. Schalten Sie die Synchronisation der Handy-Daten mit Internet-Diensten aus. Deaktivieren Sie die Google/Apple-Apps auf dem Handy Ihres Kindes, soweit möglich.
  • Erläutern Sie Ihrem Kind, daß es das WLAN des Handys ausschalten sollte, wenn es nicht verwendet wird. Ein eingeschaltetes, schlecht konfiguriertes WLAN kann private Daten offenlegen und die eindeutige Adresse Ihres Handys kann dazu verwendet werden, um Ihr Bewegungsverhalten z.B. für die Verwendung im Einzelhandel zu registrieren. Es gibt zum Glück Apps, die Ihnen die Mühe des manuellen Abschaltens abnehmen.
  • Lassen Sie Ihr Kind sichere, alternative Apps installieren. Verwenden Sie statt WhatsApp, das dem Datenriesen facebook gehört und Metadaten preisgibt, das auf Sicherheit und Verschlüsselung ausgelegte „Signal“ zum chatten, oder noch besser, aber auch ein klein wenig umständlicher, einen Jabber-Client wie Conversations für Android oder ChatSecure für iOS. Für Jabber muss man sich noch ein Konto bei einem offenen und freien Jabber-Server einrichten. Sprechen Sie mit den Eltern der Freunde Ihres Kindes darüber! Wenn man gemeinsam umsteigt, kann der Gruppenzwang ausgehebelt werden.
    Verwenden Sie statt Safari und Internet Explorer Firefox oder, falls verfügbar, den Tor Browser, mit dem Sie anonym surfen können. Installieren Sie einen Werbe-Blocker wie uBlock Origin oder Adblock Plus.
    Geben Sie im ruhig ein paar Euro für eine App aus. Sie muss sich dann nicht über Werbung und Datentracking finanzieren. Gute kostenlose, freie Software finden Sie in der Android-App F-Droid.
  • Verwenden Sie zum Suchen im Internet nicht Google, sondern die Alternativen Searx, Startpage oder Duckduckgo. Dort wird von Ihnen kein Benutzerprofil angelegt und Ihre Verbindungsdaten werden nicht gespeichert.
  • Vermeiden Sie Google generell. Es gibt auch für die anderen Google-Dienste Alternativen, z.B. OpenStreetMap oder Here WeGo für Google Maps.
  • Richten Sie Ihrem Kind eine private Email-Adresse bei einem kleinen Priovider Ihres Vertrauens oder einem sicherheitsorientierten Dienstleister wie z.B. Posteo oder mailbox.org ein. Machen Sie ihm klar, daß unverschlüsselte Komunikation im Internet in etwa so ist, wie Postkarten verschicken – Jeder dessen Server eine unverschlüsselte Nachricht passiert, kann die Nachricht lesen.
  • Verzichten Sie auf Speicherung Ihrer Daten in „Cloud“-Lösungen wie Dropbox, Google Drive, etc. Speichern Sie Ihre Daten nicht auf anderer Leute Computer und nur in Ländern, mit deren Datenschutzbedingungen Sie zufrieden sind. Alternativen wären hier Pakete wie die von Nextcloud, ownCloud, SeaFile und Sandstorm. Im Idealfall mieten Sie sich Platz dafür bei einem kleineren lokalen Provider. ownCloud und Sandstorm bieten aber auch andere Lösungen an. Es gibt aber auch Hardware-Lösungen für Zuhause. Viele dieser Lösungen ermögliches es auch, dort Kontakt- und Kalenderdaten von Handys zu speichern.
  • Informieren Sie sich über Smartphones mit alternativen Betriebssystemen, die weniger leichtfertig mit den Daten ihrer Nutzer umgehen. Sie können je nach Handy-Modell u.U. auch das Betriebssystem Ihres Handy mit einer Alternative wie Replicant oder LineageOS ersetzen. Beides sind Android-Varianten ohne die datenhungrigen Google-Apps. Tun Sie dies aber nur, wenn Sie sich damit auskennen. Fragen Sie andernfalls bei der nächstgelegenen Crypto-Party oder dem nächsten Nerd in Ihrem Bekanntenkreis an. Im Falle von Replicant gibt es jedoch auch Online-Shops, die eine Installation oder Handys mit vorinstalliertem Replicant anbieten. Für iPhones gibt es leider derzeit keine solch weit gereiften Projekte.
  • Sollten Ihre Kinder schon im Jugendalter sein, verwenden sie vielleicht facebook. Auch dafür gibt es Alternativen, wie zum Beispiel das soziale Netzwerk Diaspora*, bei dem Anmeldungen unter Pseudonym gestattet sind, man sich die Software entweder auf einen eigenen Server installieren kann oder sich einen Server seines Vertrauens suchen kann, bei dem private Daten nicht in die Hände eines Konzernes fallen. Probieren Sie es aus. Da sich Diaspora nur aus Spenden und Idealismus „finanziert“, hat es nicht dieselben Funktionen wie Facebook. Prüfen Sie Ihre Erwartungen. Löschen Sie Ihr Profil und das Ihrer Lieben bei facebook.
  • Raus aus der comfort zone – wer mehr Sicherheit und Privatsphäre will, muss manchmal mit einem gewissen Verlust an Bequemlichkeit leben. Eine lohnende Investition.
  • Schalten Sie ihr eigenes Smartphone häufiger ab, tauschen Sie es gegen ein Tastenhandy oder schaffen Sie es ganz ab.

Dieser Text wird fortlaufend aktualisiert. Ich freue mich über Kritik, Erweiterungsvorschläge und Links. Vielen Dank an die Testleser*innen aus der Diaspora*.

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